Buchhaltung

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Stand: 17.04.2019 08:48:27

Grundlagen

Buchhaltung - Buchführung

Obwohl Buchhaltung und Buchführung synonym verwendet werden und die Begrifflichkeiten eng zusammenhängen, haben sie unterschiedliche Bedeutungen. Während die Buchhaltung eine Organisationseinheit im Unternehmen bildet, ist die Buchführung der operative Teil des Rechnungswesens. Die Hauptaufgabe der Buchführung ist die zahlenmäßige, strukturierte Aufzeichnung aller Geschäftsfälle eines Unternehmens. Dabei müssen die Aufzeichnungen vollständig, richtig, zeitgerecht, geordnet und mit Belegen erfasst werden. Das Ziel der Buchführung ist die Transparenz aller vermögensrelevanter Vorgänge, die eine Informationsquelle für interne Unternehmensentscheidungen sowie für Gläubiger und die Steuererhebung durch das Finanzamt bildet.

Debitor/Kreditor

Unter einem "Debitor" versteht man im Grunde nichts anderes als einen Schuldner. Im Gegensatz hierzu ist ein "Kreditor" ein Gläubiger. In der Buchhaltung ist der Debitor eine natürliche Person oder ein Unternehmen, das einem anderen Unternehmen Leistungen schuldet, zum Beispiel in Form von Zahlungen für eine Warenlieferung. "Debitor" und "Kreditor" sind im Finanz- und Rechnungswesen komplementäre Begriffe. Wenn ein Kreditor vorhanden ist, so muss auch ein entsprechender Debitor vorhanden sein. Der Leistende stellt als Kreditor eine Rechnung an den Leistungsempfänger, Debitor, aus.

Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung

Während sich die Debitorenbuchhaltung mit den Forderungen eines Unternehmens befasst, beschäftigt sich die Kreditorenbuchhaltung mit den Verbindlichkeiten eines Unternehmens.
Kreditoren sind externe Lieferanten oder Anbieter von Dienstleistungen, die ein Unternehmen in Anspruch nimmt. Demnach ist die Kreditorenbuchhaltung eng mit dem Einkauf in einem Unternehmen verknüpft.

Kontenrahmen

Der Kontenrahmen ist ein Verzeichnis aller Konten eines Wirtschaftszweigs, wie z.B. Einzel- oder Großhandel, und dient als Vorlage zur Erstellung eines individuellen Kontenplans des Unternehmens. Die verschiedenen Kontenrahmen sind so weit generalisiert, dass alle Betriebe sich daraus einen individuellen Kontenrahmen zusammenstellen können.

Für Handelsunternehmen, Banken und Versicherungen gelten die sogenannten Standardkontenrahmen (SKR). Sie werden von der DATEV festgelegt und sind branchenspezifisch definiert. Sie wurden entwickelt, um aus der laufenden Buchführung am Jahresende den gesetzlich vorgeschriebenen Jahresabschluss, d.h. die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens, ableiten zu können. Zu den gängigen Standardkontenrahmen zählen

  • SKR 03 für alle Branchen (Prozessgliederung)
  • SKR 04 für alle Branchen (Abschlussgliederung)
  • SKR 14 für land- und forstwirtschaftliche Betriebe
  • SKR 30 für den Einzelhandel
  • SKR 49 für Vereine, Stiftungen und gemeinnützige Organisationen
  • SKR 70 für Hotels und Gaststätten
  • SKR 81 für Ärzte

Die am häufigsten verwendeten Standardkontenrahmen sind die allgemeinen Kontenrahmen SKR 03 und SKR 04.

Aufbau der Kontenrahmen

In der Regel wird der Kontenrahmen nach dem dekadischen System in 10 Kontenklassen, 0-9, eingeteilt. Als Beispiel dienen hier die gängigen Standardkontenrahmen 03 und 04. Diese zwei Kontenrahmen sind nach unterschiedlichen Kriterien gegliedert. SKR 03 arbeitet nach dem Prozessgliederungsprinzip und SKR 04 nach dem Abschlussgliederungsprinzip. Beide Kontenrahmen unterscheiden sich in der Anordnung der Kontenklassen:

Kontenklasse SKR 03 (Prozessgliederung) SKR 04 (Abschlussgliederung)
0 Anlage- und Kapitalkonten Anlagevermögenskonten
1 Finanz- und Privatkonten Umlaufvermögenskonten
2 Abgrenzungskonten Eigenkapitalkonten/Fremdkapitalkonten
3 Wareneingangs- und Bestandskonten Fremdkapitalkonten
4 Aufwandskonten Betriebliche Erträge
5 Aufwandskonten Betriebliche Aufwendungen
6 Aufwandskonten Betriebliche Aufwendungen
7 Bestände an Erzeugnissen Weitere Erträge und Aufwendungen
8 Erlöskonten Zur freien Verfügung
9 Vortrags-, Kapital-, Korrektur- und statistische Konten Vortrags-, Kapital-, Korrektur- und statistische Konten

Aufbau der Kontonummern

Jedes Sachkonto im Kontenrahmen ist mit einer eindeutig zuweisbaren Kontonummer hinterlegt. Die Kontonummern sind immer vierstellig und können einer Nummernfolge zwischen 0001 und 9999 entsprechen. Als Beispiel dient hier das Konto 2679:

1. Stelle 2. Stelle 3. Stelle 4. Stelle
Kontenklasse 2 (Abgrenzungskonten) Kontengruppe 6 (Erträge aus Beteiligungen) genaue Kontengruppe 6 (Diskonterträge) Einzelkonto 9 (aus verbundenen Unternehmen)

Somit zeichnet das Konto 2669 alle Diskonterträge aus verbundenen Unternehmen auf.

Umsatzsteuer-Voranmeldung (UStVA)

Sobald ein Unternehmen Umsätze erzielt, ist es zur Zahlung von Umsatzsteuer verpflichtet. Das Umsatzsteuergesetz (§18 UStG) ordnet Unternehmern die Abgabe einer Umsatzsteuer-Voranmeldung an. Um die Umsatzsteuerlast zu senken, teilt das Finanzamt die Umsatzsteuerzahlung in einzelne Teilzahlungen auf. Die UStVA müssen die Unternehmer aber selber einreichen und an das Finanzamt abführen. In welchen Abständen die Teilzahlungen erfolgen, legt das Finanzamt anhand der Umsatzsteuerzahllast aus dem Vorjahr fest.

Quartalsweise Umsatzsteuer-Voranmeldung
Unternehmen, deren Vorjahres-Zahllast zwischen 1.001€ und 7.500€ betrug, müssen quartalsweise eine UStVA einreichen.

Monatliche Umsatzsteuer-Voranmeldung
Bei einer Unternehmensgründung muss im Jahr der Gründung sowie das darauffolgende Kalenderjahr die UStVA monatlich abgegeben werden.
Auch Unternehmen, deren Vorjahres-Zahllast über 7.500€ betrug, müssen ihre UStVA monatlich abgeben.

Die Umsatzsteuer-Voranmeldung kann nur über das Portal ELSTER Online eingereicht werden.
Actindo bietet Ihnen die Möglichkeit Ihre UStVA aus dem System zu generieren und über eine ELSTER-Schnittstelle direkt an ELSTER zu übermitteln.

Soll- und Ist-Versteuerung

Die Verpflichtung zur Umsatzsteuer-Voranmeldung hebt ein wichtiges Thema hervor - die Versteuerungsart. Unterschieden wird dabei zwischen der sogenannten Soll-Versteuerung und der Ist-Versteuerung. Grundlage ist das Umsatzsteuerrecht.

Die Wahl zwischen der Soll- und Ist-Versteuerung ist nicht für alle Unternehmer ohne weiteres möglich. Alle Unternehmen müssen ihre Umsätze laut §16 Umsatzsteuergesetz grundsätzlich nach der Soll-Versteuerung versteuern. Dabei wird die Umsatzsteuer des Unternehmens mit Zeitpunkt der Rechnungsstellung an den Kunden fällig, unabhängig davon, ob der Kunde bereits bezahlt hat. Im Gegensatz hierzu ist die Umsatzsteuer bei der Ist-Versteuerung erst mit der Zahlung der Rechnung durch den Kunden abzuführen.

Das Finanzamt kann auf Antrag einen Wechsel auf die Ist-Versteuerung gestattet. Um einen Wechsel auf die Ist-Versteuerung zu beantragen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Wenn der gesamte Umsatz des Vorjahres weniger als 600.000€ betragen hat
  • Oder für alle Freiberufler, die ihren Gewinn durch die Einnahmen-Überschuss Rechnung (EÜR) bestimmen.

Besonderheiten der Ist-Versteuerung in der Buchhaltung
Wird beim Anlegen eines Wirtschaftsjahres die Ist-Versteuerung aktiviert, so gelten für die Verbuchung der Umsatzsteuer folgende Besonderheiten:
Erlösbuchung:
Bei der Buchung eines Erlöses gegen ein Debitorenkonto unter Anwendung eines Steuerschlüssels (automatik oder manuell), wird die errechnete Umsatzsteuer auf das Konto "USt nicht fällig" des betreffenden Steuerschlüssels gebucht.
Zahlungsbuchung:
Bei der Buchung einer Zahlung gegen ein Debitorenkonto ist der Steuerschlüssel, der bei der Verbuchung des ursprünglichen Erlöses verwendet wurde, mit im Buchungssatz anzugeben. Durch die Angabe des Steuerschlüssels wird der ursprüngliche Steuerbetrag errechnet und vom Konto "USt nicht fällig" auf das normale USt-Konto umgebucht. Trotz der Angabe eines Steuerschlüssels wird ordnungsgemäß aus der Zahlungsbuchung keine Umsatzsteuer errechnet, sondern nur umgebucht.

Zusammenfassende Meldung (ZM)

Bei der Zusammenfassenden Meldung handelt es sich um ein Bericht an das Finanzamt, der alle innergemeinschaftlichen Umsätze eines Unternehmens angibt.

Umsätze, die ein Unternehmen aus dem Verkauf ihrer Waren und Dienstleistungen in ein anderes EU-Land erzielt, sind unter gewissen Bedingungen umsatzsteuerfrei. Das heißt, dass nicht der Unternehmer Umsatzsteuer von seinem Kunden einbehalten und an das Finanzamt abführen muss, sondern eine umsatzsteuerfreie Rechnung ausstellt und dem Kunden überlässt, die Umsatzsteuer selbständig an das Finanzamt abzuführen.
Damit die Finanzämter überprüfen können, ob der Kunde die Umsätze korrekt versteuert hat, muss eine Zusammenfassende Meldung erstellt werden. Jeder Unternehmer muss seine innergemeinschaftlichen Lieferungen in dieser Meldung auflisten und an das Finanzamt übergeben.

Meldepflicht
Ein Unternehmer ist nur dann meldungspflichtig, wenn er innergemeinschaftliche Lieferungen oder grenzüberschreitende Dienstleistungen abwickelt. Die Zusammenfassende Meldung muss, wie die Umsatzsteuer-Voranmeldung auch, an das Finanzamt übergeben werden. Dies muss elektronisch über das Portal ELSTER Online erfolgen.
Actindo bietet Ihnen die Möglichkeit Ihre Zusammenfassende Meldung aus dem System zu generieren und als CSV-Datei an ELSTER zu übergeben.

Handelt ein Unternehmer hingegen nur innerhalb seiner nationalen Grenzen, besteht keine Pflicht zur Abgabe einer Zusammenfassenden Meldung.

Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA)

Die Betriebswirtschaftliche Auswertung bezieht sich in der Regel auf die laufenden Daten aus der Finanzbuchhaltung und liefert Informationen über die aktuelle Kosten- und Erlössitiuation eines Unternehmens, und damit die Ertragslage. Das Ergebnis der BWA dient dem Unternehmer als Grundlage für seine Entscheidungen. Fremdkapitalgebern unterstützt die BWA bei der Einschätzung des Unternehmens und Banken ziehen die BWA für eine Kreditentscheidung heran.

Die betriebswirtschaftliche Auswertung ist ein wichtiges Planungs- und Steuerungsinstrument für die zukünftige Unternehmensentwicklung. Diese müssen aussage- und auswertungsfähig sein, indem sie

  • rechtsformenneutral gestaltet
  • mit einem Branchenvergleich (DATEV-Betriebsvergleich) kompatibel
  • größenordnungsneutral abbilden
  • mit dem Rechnungswesen und statistischen Daten des Unternehmens integrierte Darstellungen erlauben
  • bei entsprechender intelligenter Struktur standardisierbar sind.

Dazu ergänzend sind Zeitreihen, Zeitpläne, Vorjahresvergleiche und grafische Darstellungen wesentliche Qualitätskriterien.
Die Struktur der BWA ist keine bloße Abfrage von Konten, sondern eine betriebswirtschaftlich klare Aussage.

Bilanzierungsarten

Grundsätzlich gibt es weltweit drei Bilanzrechnungslegungsvorschriften,

  • die US-amerikanischen Gernerally Accepted Accounting Principles (GAAP),
  • die International Accounting Standards (IAS) und
  • die des deutschen Rechts nach dem Handelsgesetzbuch (HGB).

Die US-GAAP und die IAS sind die zwei weltweit führenden Rechnungslegungsvorschriften und international anerkannt. Für Deutschland übernimmt das HGB eine ähnliche Rolle.

HGB
Im Handelsgesetzbuch ist der Großteil des deutschen Handelsrechts festgehalten. Es wird auch als "Sonderprivatrecht der Kaufleute" bezeichnet. Im Wesentlichen enthält es Regelungen zu Jahresabschlüssen und Berichten sowie Sonderregelungen für Versicherungen, Banken und Genossenschaften.

US-GAAP
Unter US-GAAP versteht man die allgemein anerkannten Rechnungslegungsgrundsätze der USA. Ziel des Jahresabschlusses nach US-GAAP ist die Information der Kapitalgeber. Dieser Jahresabschluss enthält im Gegensatz zum Jahresabschluss nach HGB keine Ausschüttungsbemessungsfunktion. In den USA wird der handelsrechtliche und steuerrechtliche Jahresabschluss komplett getrennt. Der Jahresabschluss hat keinen Einfluss auf den Steuerumfang.

IAS
Die IAS sind einheitliche Richtlinien für die Rechnungslegung von Unternehmen. In Deutschland und anderen Mitgliedsstaaten der EU haben kapitalmarktorientierte Unternehmen die Pflicht, den Jahresabschluss nach den Regeln von IAS aufzustellen.

Gegenüberstellung

HGB IAS US-GAAP
Ziel Ermittlung des ausschüttbaren Gewinns Aufstellung von Informationen zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage Aufstellung von Informationen zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
Adressat Gläubiger, Eigentümer, Investoren Investoren Investoren, Aktionäre
Bilanzierungszweck Gläubigerschutz, Kapitalerhaltung Investorschutz (faktisch) Investorschutz
Bewertungsgrundsätze Vorsichtsprinzip Periodisierungsprinzip Periodisierungsprinzip
Bestandteil des Abschlusses Bilanz, GuV, Anhang, Segmentbericht, Kapitalflussrechnung, Lagebericht Bilanz, GuV, Anhang, Segmentbericht, Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalentwicklung Bilanz, GuV, Anhang, Segmentbericht, Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalentwicklung
Gliederungsvorschriften Bilanz HGB § 247 für Kaufleute, § 266 für Kapitalgesellschaften Mindestgliederung IAS 1.54, veränderbar durch "fair-presentation"-Grundsatz Gliederung nach dem Liquiditätsgliederungsprinzip
Gliederungsvorschriften GuV Aufstellungspflicht nach § 242, Mindestgliederung für Kapitalgesellschaften nach § 275 UKV oder GKV Generell keine Vorgaben

Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

Die Gewinn- und Verlustrechnung ist ein Teil der Bilanz und somit ein Bestandteil der doppelten Buchführung. Betriebswirtschaftlich gesehen ist das GuV-Konto ein Unterkonto des Kontos Eigenkapital, das sich auf der Passivseite der Bilanz befindet. Aus der GuV lässt sich der unternehmerische Erfolg ablesen. Übersteigen die Erträge den Aufwendungen, erwirtschaftet das Unternehmen einen Gewinn. Andersherum verzeichnet das Unternehmen einen Verlust.

Die wichtigsten Vorschriften zur Gewinn- und Verlustrechnung sind im Handelsgesetzbuch (HGB) festgehalten. Die GuV stellt laut § 242 Abs. 3 HGB einen Pflichtbestandteil des Jahresabschlusses von Kaufleuten dar.

Bilanz

Die Bilanz stellt eine Übersicht über alle Vermögensbestandteile eines Unternehmens sowie die Herkunft des Kapitals dar. Sie ist der Hauptbestandteil eines Jahresabschlusses. Die Basis hierfür bildet das Inventar. Die Funktionen der Bilanz sind:

Dokumentationsfunktion:
Die Aufstellung stellt das vorhandene Vermögen und Kapital des Unternehmens dar. In diesem Rahmen dient die Bilanz der Nachprüfbarkeit von Geschäftsvorgängen, vor allem um rechtliche Vorgaben zu erfüllen.

Informationsfunktion:
Die Informationsfunktion der Aufstellung dient einerseits der Selbstinformation und andererseits als Drittinformation. Die Selbstinformation gibt dem Kaufmann konkrete Hinweise zum Erfolg seiner Unternehmensführung. Für interessierte Dritte (z.B. Banken und Investoren) bietet die Bilanz konkrete Informationen zum Erfolg des Unternehmens und bildet damit eine Entscheidungsgrundlage.

Gewinnermittlungsfunktion:
Um den Gewinn oder Verlust eines Geschäftsjahres zu ermitteln, wird das Eigenkapital zu Beginn des Geschäftsjahres mit dem vom Ende des Geschäftsjahres verglichen. Die Differenz zeigt dann die Höhe des Gewinns bzw. Verlustes.

Cash Flow

Der Cash Flow misst den Zahlungsstrom von Geldern innerhalb des Unternehmens. Im Unterschied zum Gewinn dürfen fiktive Ausgaben wie Abschreibungen und Rückstellungen nicht im Cash Flow erscheinen. Der Cashflow spiegelt damit die ehrliche Ertrags- und Finanzkraft eines Unternehmens wider und gibt an, wie viel Geld ein Unternehmen in einer Geschäftsperiode tatsächlich erwirtschaftet hat.

Wirtschaftsjahr, Journal und Monat

Wirtschaftsjahr

Das Wirtschaftsjahr (=Geschäftsjahr) definiert den Zeitraum, für den die Betriebsergebnisse eines Unternehmens abschließend festgeschrieben werden. In der Regel handelt es sich bei diesem Zeitraum um 12 Monate, in der die Bilanzierung des Unternehmens betrachtet wird. Im Jahr der Unternehmensgründung kann sich das Wirtschaftsjahr auch auf weniger als 12 Monate belaufen, jedoch niemals länger als 12 Monate.

Mit der Eröffnungsbilanz wird das Wirtschaftsjahr eröffnet und mit der Abschlussbilanz beendet. Darin werden die Betriebsergebnisse des Unternehmens für das jeweilige Wirtschaftsjahr festgestellt. Generell entspricht das Wirtschaftsjahr dem Kalenderjahr, was aber nicht fest vorgeschrieben ist. Dass das Wirtschaftsjahr nicht immer dem Kalenderjahr gleicht, kann verschiedene Ursachen haben:

Rumpfwirtschaftsjahr
Wird ein Unternehmen im Laufe eines Kalenderjahres gegründet, fängt das Wirtschaftsjahr dementsprechend auch mitten in dem Kalenderjahr mit dem ersten Monat an. In diesem Fall strebt das Unternehmen jedoch die Verkürzung des Wirtschaftsjahres an, damit das darauf folgende Wirtschaftsjahr deckungsgleich zu dem Kalenderjahr ablaufen kann. Hierbei spricht man von einem sogenannten Rumpfwirtschaftsjahr.

Abweichendes Wirtschaftsjahr
In einigen Fällen kann das Wirtschaftsjahr aber auch dauerhaft vom Kalenderjahr abweichen. Dies ist branchenabhängig (z.B. die Landwirtschaft), um etwa saisonale Entwicklungen bilanziell besser erfassen zu können.
Ein weiterer Grund für ein abweichendes Wirtschaftsjahr kann die Anpassung an die Konkurrenz oder an einen bestehenden Mutterkonzern sein, welcher seinen Sitz oft im Ausland hat.

In der Finanzbuchhaltung können pro Geschäftsjahr mehrere Wirtschaftsjahre parallel gepflegt werden. Diese müssen jedoch als "Plan-Wirtschaftsjahre" angelegt werden, da es immer nur ein "primäres" Wirtschaftsjahr pro Geschäftsjahr geben kann.

Journal und Monat

Buchungen werden durch Journale und Monate in die betreffenden Zeiträume eingeordnet.

Journal

Das Journal (oder auch Buchungsstapel) ist ein übergeordnetes Kriterium, um die Buchungen zu ordnen. Im Journal werden alle Buchungen in chronologischer Reihenfolge aufgeführt. Buchungen, die im Journal 1 getätigt wurden, erscheinen somit auch nicht im Journal 2 und andersrum. Die Art und Verwendung von Journalen ist dem Buchhalter freigestellt. Es empfiehlt sich allerdings, die im Folgenden vorgestellte allgemein anerkannte Konvention zu beachten:

Journale 1-12 Buchungen der jeweiligen Monate 1-12
Journal 90 Saldovortragsbuchungen der Finanzkonten
Journal 92 Sonstige Sachkonten sowie Vorsteuer- und Umsatzsteuersalden
Journal 93 Vorträge der GuV-Konten
Journal 98 Debitoren-OPOS
Journal 99 Kreditoren-OPOS

Es können max. 99 Journale festgelegt werden.

Monat

Über den Buchungsmonat wird bestimmt, in welchem Monat die Buchung in den Auswertungen erscheinen soll.

In der Buchhaltung werden die Monate üblicherweise wie folgt verwendet:

Monat 0 Saldovorträge
Monate 1-12 Monate des Wirtschaftsjahres
Monate 13-15 Nachträgliche Buchungen
Monate 16-25 Abschlussbuchungen
Monat 99 Automatik-Funktion: Im Monat 99 getätigte Buchungen werden nicht in Monat 99 gebucht, sondern anhand des Buchungsdatums automatisch in die jeweiligen Monate 1-12 eingeordnet. Buchungen vor dem Anfang des Wirtschaftsjahres werden in den Monat 0 gebucht.

Bei abweichenden Wirtschaftsjahren werden die Monate nach der Reihenfolge der Monate im Wirtschaftsjahr verbucht.
Beispiel: Wirtschaftsjahr 2016/2017 vom 01.07.2016 bis 30.06.2017
Hier entspricht der Monat 1 in der Buchhaltung dem ersten Monat des Wirtschaftsjahres, also dem Juli 2016. Der Monat 2 entspricht dem August 2016 usw.

Storno- und Steuerschlüssel

Storno- und Steuerschlüssel dienen dazu in der Buchhaltung bestimmte Funktionen für die Buchung anzusprechen, z.B. die automatische Buchung von Vor- oder Umsatzsteuer oder die Stornierung einer Buchung.

Steuerschlüssel
Steuerschlüssel werden im Rahmen der Buchhaltung verwendet, um bei einer Buchung die Verbuchung von Vor- und Umsatzsteuer auf die entsprechenden Konten zu veranlassen. Buchungen ohne Storno- und Steuerschlüssel werden generell ohne Steuer gebucht. Durch Automatik-Konten können Steuerschlüssel vom System zu einer Buchung hinzugefügt werden, ohne dass eine Eingabe in der Buchungszeile nötig wird.

Stornoschlüssel
Stornoschlüssel werden im Rahmen der Buchhaltung verwendet, um Buchungen zu stornieren, EG-Buchungen oder Buchungen mit frei gewähltem Steuerschlüssel zu veranlassen.

Im Allgemeinen wird bei einer Buchung das Gegenkonto wie folgt eingegeben:

1. Stelle 2. Stelle 3.-7. Stelle
Stornoschlüssel Steuerschlüssel Gegenkonto (5-stellig)

Als Kurzform kann auch das Gegenkonto allein angegeben werden. Führende Nullen des Kontos können nur bei der Eingabe des Gegenkontos ohne Storno- oder Steuerschlüssel weggelassen werden.

Bei der Buchung auf Sachkonten (4-stellig) ist zwischen Steuerschlüssel und Konto eine "0" einzugeben, um die fehlende 5. Stelle des Gegenkontos zu füllen. Wird im Feld "GegKonto" zu einem 5-stelligen Personenkonto ein Steuerschlüssel eingegeben, so bezieht sich der Steuerschlüssel auf das "Konto".

Beispiele für gültige Gegenkonto-Angaben:

8400 Das Konto 8400 wird angesprochen.
69889 Das Konto des Kunden (Debitors) 69889 wird angesprochen.
308000 Das Konto 8000 wird mit dem Steuerschlüssel 3 (Umsatzsteuer 19%) angesprochen.
2008000 Das Konto 8000 wird mit dem Stornoschlüssel 2 (Generalumkehr) angesprochen.
9908000 Das Konto 8000 wird mit dem Stornoschlüssel 9 (Aufzuteilende Vorsteuer) und dem Steuerschlüssel 9 (Vorsteuer 19%) angesprochen.

Da der Storno- und Steuerschlüssel nur im Gegenkonto eingegeben werden kann, müssen Sie den Betrag bei Konten, die ins Soll gebucht werden sollen, negativ eingeben. Dann wird das Gegenkonto (Haben) zum Konto (Soll).

Liste von Stornoschlüsseln und die jeweiligen Steuerschlüssel

Stornoschlüssel 0: ohne Stornoschlüssel
Dieser Stornoschlüssel wird verwendet, wenn kein Stornoschlüssel angegeben wurde.

Die Bedeutung der jeweiligen Steuerschlüssel:

0 Keine Verbuchung von Steuer
1 Keine Bedeutung
2 Umsatzsteuer ermäßigter Satz (7%)
3 Umsatzsteuer normaler Satz (19%)
5 Umsatzsteuer alter Normalsatz (16%)
7 Abzuziehende Vorsteuer alter Normalsatz (16%)
8 Abzuziehende Vorsteuer ermäßigter Satz (7%)
9 Abzuziehende Vorsteuer normaler Satz (19%)

Stornoschlüssel 1: EG-Buchung

Der Stornoschlüssel 1 löst zusammen mit einem Steuerschlüssel eine EG-Buchung aus.

Die Bedeutung der jeweiligen Steuerschlüssel:

0 Im anderen EG-Land steuerpflichtige Lieferung/Leistung
1 Steuerfreie EG-Lieferung
2 Im Inland steuerpflichtige EG-Lieferungen ermäßigter Satz (7%)
3 Im Inland steuerpflichtige EG-Lieferungen normaler Satz (19%)
5 Im Inland steuerpflichtige EG-Lieferungen alter Normalsatz (16%)
7 Steuerpflichtige innergemeinschaftliche Erwerbe alter Normalsatz (16%)
8 Steuerpflichtige innergemeinschaftliche Erwerbe ermäßigter Satz (7%)
9 Steuerpflichtige innergemeinschaftliche Erwerbe normaler Satz (19%)

Bei Verwendung des Steuerschlüssels "0: Im anderen EG-Land steuerpflichtige Lieferung/Leistung" öffnet sich nach der Eingabe des Feldes "GegKonto" ein Auswahl-Fenster mit entsprechenden Unterschlüsseln.


Stornoschlüssel 2: Generalumkehr (Storno-Buchung)

Die Stornierung einer Buchung erfolgt durch die Eingabe der Ziffer 2 an erster Stelle des Feldes "GegKonto". Der Umsatz wird mit umgekehrtem Vorzeichen eingegeben. Die hierdurch erzeugte Buchung hebt die angewählte Buchung auf, ohne dass diese gelöscht wird.


Stornoschlüssel 3: Generalumkehr bei Stornoschlüssel 9

Der Stornoschlüssel 3 dient zur Aufhebung von Buchungen, die mit dem Stornoschlüssel 9 getätigt wurden.


Stornoschlüssel 4: Aufhebung der Buchungsautomatik

Durch die Eingabe des Stornoschlüssels 4 wird das automatische Errechnen der Vor- oder Umsatzsteuer gesperrt.


Stornoschlüssel 5: Individueller Steuerschlüssel

Der Stornoschlüssel 5 bereitet die Eingabe mehrstelliger Steuerschlüssel vor. Bei der Verwendung des Steuerschlüssels öffnet sich nach der Eingabe des Feldes "GegKonto" ein Auswahl-Fenster mit entsprechenden Unterschlüsseln.


Stornoschlüssel 6: Generalumkehr bei Stornoschlüssel 1

Der Stornoschlüssel 6 dient zur Aufhebung von Buchungen, die mit dem Stornoschlüssel 1 getätigt wurden. In diesem Fall muss der ursprüngliche Steuerschlüssel mit angegegben werden.


Stornoschlüssel 7: Generalumkehr bei Stornoschlüssel 5

Der Stornoschlüssel 7 dient zur Aufhebung von Buchungen, die mit dem Stornoschlüssel 5 getätigt wurden.


Stornoschlüssel 8: Generalumkehr bei Stornoschlüssel 4

Der Stornoschlüssel 8 dient zur Aufhebung von Buchungen, die mit dem Stornoschlüssel 4 getätigt wurden.


Stornoschlüssel 9: Aufzuteilende Vorsteuer

Der Stornoschlüssel 9 löst zusammen mit den Steuerschlüsseln 6-9 eine Verbuchung der Vorsteuer auf die Konten für aufzuteilende Vorsteuer aus (anstatt auf die Konten für abzuziehende Vorsteuer).

Buchungen

In der Actindo Finanzbuchhaltung werden alle Buchungen zunächst als vorläufige Buchungen erfasst. Alle Buchungen lassen sich daher ändern oder auch löschen.

Zum Abschluss eines Monats werden die Buchungen dann verarbeitet. Über die Verarbeitung der Buchungen werden diese dann festgeschrieben und können nur noch storniert und nicht mehr gelöscht oder geändert werden. Dies geschieht über die Funktion Buchungen verarbeiten.

Festbuchungen

Mittels Festbuchungen können Sie periodisch wiederkehrende Buchungen automatisieren. Hierfür legen Sie die Festbuchungen in einem Buchungsstapel an, die dann durch das System übernommen werden. Zu den Festbuchungen

Folgebuchungen

Folgebuchungen werden grundsätzlich nach dem Bebuchen eines festgelegten Kontos automatisch eingefügt und dienen der Automatisierung von Routinevorgängen, wie zum Beispiel dem Verbuchen des nicht abzugsfähigen Anteils der Bewirtungskosten oder des privaten Anteils der Telefonkosten. Hierzu legen Sie Folgebuchungen an, die automatisch vom System ausgeführt werden, sobald das auslösende Konto bebucht wird. Zu den Folgebuchungen


So geht es weiter: